Social Networking - Einführung

"Social Networking" im Internet, was ist das?

Online Plattformen wie "StudiVZ" und "SchülerVZ", "MeinVZ", "MySpace", "Facebook", "Xing", "Lokalisten", „wer-kennt-wen?“ sie alle sind sogenannte „Social Networking“ Communities.

Soziale Netzwerke entstehen im Internet dadurch, dass sich möglichst viele Menschen bei einem Anbieter registrieren, dort ein detailliertes Profil von sich selbst erstellen und dieses online anderen Nutzern präsentieren. Mit Hilfe von Suchanfragen kann man dann z.B. Menschen aus der gleichen Stadt finden, die sich für dieselbe Musik begeistern und eventuell sogar früher auf dieselbe Schule gingen. Jeder kennt jeden und wenn auch nur über Freunde von Freunden, so suggeriert es die Fernsehwerbung der „Lokalisten“.

Der Einstieg ins „Social Networking“ ist leicht. Die Profilerstellung gelingt dank vorgegebener Formulare, die nur noch mit den eigenen Daten gefüllt werden müssen auch Internetneulingen ohne Probleme. Manche Anbieter ermöglichen es den Nutzern, ihre Profilseite relativ individuell zu gestalten (z.B. Myspace), bei anderen Anbietern gibt es einen einheitlichen Seitenstandard („SchülerVZ“ und „StudiVZ“).
Um sich mit anderen zu vernetzen, also um z.B. Menschen mit passendem Musikgeschmack aus der gleichen Stadt zu finden, müssen die erstellten Profile möglichst detailliert und die Personen real sein. Ein Foto gehört zum Profil ebenso dazu, wie die Angabe von Interessen  und natürlich jeder Menge persönlicher Daten (Geburtstag, Wohnort, Schule/Uni/Arbeitsplatz).

Viele Nutzer geben ihren "echten" Namen an. Was in den meisten Internetforen immer noch die Regel ist, nämlich statt des richtigen Namens einen Nickname zu verwenden, der die Identifikation mit einer realen Person erschwert, ist beim Social Networking verpönt und wird oft in den Nutzungsbedingungen ausdrücklich untersagt (so z.B. im SchülerVZ).
Und so lassen sich immer mehr Bekannte aus dem realen Leben auf den virtuellen Plattformen leicht wiederfinden. Einfach mal den Namen eingeben und schauen, wen man findet.
Was auf den ersten Blick nach einer tollen Möglichkeit klingt, mit vielen Bekannten in Kontakt zu bleiben und eventuell neue Freunde mit gleichen Interessen kennen zu lernen, birgt in der Praxis insbesondere für Kinder und Jugendliche eine Reihe an Risiken, die im Folgenden anhand der speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichteten Plattform "SchülerVZ" erläutert werden.

Eltern müssen draußen bleiben: das SchuelerVZ

Im Leben vieler Jugendlicher nimmt inzwischen das "SchuelerVZ" (Abkürzung für "Schüler-Verzeichnis") einen festen Platz ein.
In kürzester Zeit hat sich die Online-community, die sich ausschließlich an Schüler (ab 12 Jahren) richtet, zur beliebtesten Kommunikationsplattform in dieser Altersgruppe entwickelt.
Auf den ersten Blick wirkt die Onlinepräsenz nicht sonderlich einladend, vielleicht sogar eher abschreckend. Ein ziemlich langweiliges Design ohne tolle Effekte in Magenta: eine Startseite, die wenig bis nichts über das Angebot von "SchuelerVZ" verrät und mal reinschnuppern kann man als Nicht-Mitglied auch nicht – wer mehr sehen will, muss sich zuerst anmelden.
Doch so einfach ist dies nicht: einen Button mit "Anmeldung" für Neumitglieder sucht man vergebens. Mitglied in dieser Community wird man ausschließlich per Einladung durch ein bestehendes Mitglied. Wer in diesen "exklusiven" Kreis aufgenommen werden möchte, braucht Freunde die schon Mitglied sind.

Durch diese Art der Mitgleideraquise entsteht ein starker sozialer Druck unter den Schülern selbst. Das Angebot erscheint verlockend, da es nur einem begrenzeten Kreis an Nutzern zur Verfügung steht. Wer noch nicht Mitglied im SchuelerVZ ist, der ist - so scheint es - ein Außenseiter, der keine Einladung bekommen hat.
Dazu kommt, dass viele Verabredungen fürs "echte" Leben inzwischen im "SchuelerVZ" getroffen werden; wer nicht dabei ist, verpasst also eventuell die nächste tolle Party.

Hat man es jedoch geschafft und wurde von einem Mitglied eingeladen, so stehen alle Tore im "SchuelerVZ" offen. Schnell noch ein Profil von sich selbst erstellen und veröffentlichen, vielleicht ein paar Fotos hochladen, schon ist man ein Teil von deutschlands beliebtestem Schülernetzwerk geworden. Die Nutzung des Angebots ist kostenlos, man muß jedoch Werbeeinblendungen zulassen (diese sind laut Anbieter aber auf jeden Fall für die angesprochene Altersgruppe geeignet).

Im SchuelerVZ haben die Mitglieder die Möglichkeit, Interessengruppen zu gründen. Innerhalb dieser Gruppen kann dann untereinander diskutiert werden. Die Inhalte in den Gruppen sind nur für deren Mitglieder sichtbar. Man kann aber auch die Suchfunktion nutzen und nach Bekannten suchen, die auch Mitglied sind. Oder man sucht Gleichgesinnte in Bezug auf Hobbies, Musikgeschmack oder politische Richtung. Hat man jemanden gefunden, so kann man ihn online auf sich afmerksam machen: „gruscheln“ (wohl eine Mischung aus kuscheln und grüßen) nennt das "SchuelerVZ". Natürlich kann man auch private Nachrichten über den plattformeigenen Nachrichtendienst schicken oder man hinterlässt einem Mitglied einen öffentlichen Gruß auf dessen Pinnwand oder stöbert ein wenig in den Fotoalben der Mitglieder.

Da das Angebot des "SchuelerVZ" sich ausdrücklich nur an Schüler (ab 12 Jahren) richtet, sollen diese die Möglichkeit haben, auf der Plattform unter sich zu bleiben. Der Anbieter bittet deshalb Eltern und Lehrer darum, sich keinen Account anzulegen um den Jugendlichen ihre Privatsphäre zu garantieren. Interessierte Erwachsene können sich in einem speziellen Bereich darüber informieren, wie das "SchuelerVZ" funktioniert. Für Einzelfragen stehen kompetente Ansprechpartner, auch telefonisch, bereit. Man kümmere sich intensiv um die Einhaltung des Jugendschutzes auf der Plattform und auch den Nutzern steht selbstverständlich ein Supportteam zur Verfügung, dem Verstöße gegen den von jedem Nutzer unterzeichneten Verhaltenskodex gemeldet werden können.

Klingt doch alles ganz nett. Ist das "SchuelerVZ" also eine erwachsenenfreie Zone, ein magentafarbenes Idyll, in dem sich alle an die Regeln halten und nett miteinander gruscheln?

Leider sieht die Realität anders aus. Soziale Netzwerke im Internet spiegeln oft bestehende Soziale Netzwerke aus der "realen" Welt und damit natürlich auch deren Konflikte. Diese werden oft online weitergeführt, sei es in Form von Mobbing gegen einzelne Personen (z.B. ungeliebte Mitschüler oder Lehrer) oder die Rivalitäten zwischen einzelnen Interessengruppen (z.B. "HipHopper" gegen "Punks").

Insbesondere Jugendliche haben ein starkes Bedürfnis, soziale Grenzen auszutesten und auch mal zu überschreiten. In jugendlichen Subkulturen werden werden Interessen gepflegt, die oft konträr zu gesellschaftlichen Regeln sind. Natürlich sind diese Subkulturen auch im "SchuelerVZ" präsent und für jedes Mitglied sichtbar. Seien es Horror- oder Pornofilmfans, Waffennarren, Hooligans, politisch extreme Gruppen; sie alle sind im SchuelerVZ zu finden. Nicht immer sind die Inhalte der Nutzerprofile oder Gruppen für Kinder und Jugendliche geeignet. Wie steht es um die Einhaltung des Jugendschutzes im SchuelerVZ?
Mehr dazu im Abschnitt "Jugendschutz".

Wer sich mit einem Profil online veröffentlicht, gibt jede Menge Informationen über sich selbst preis. Ein Profil im "SchuelerVZ" erzählt viel über das Mitglied; mehr als man einem Fremden auf der Strasse über sich erzählen würde und doch veröffentlichen Menschen bereitwillig diese Informationen für Millionen fremde Nutzer. Was geschieht mit den Daten, die man online veröffentlicht? Und stehen hinter den "SchuelerVZ" Profilen wirklich immer "echte" Menschen? Gibt es eine Möglichkeit, das SchuelerVZ sicher zu nutzen?
Mehr dazu in den Abschnitten "Datenschutz" und "Tipps".

 

Info: Wer sind die Macher des "SchuelerVZ"?

Das SchülerVZ ist seit 2007 eines der Onlineangebote der Verlagsgruppe Holtzbrinck. Diese betreibt nicht nur die Social Networking Angebote StudiVZ und MeinVZ, sondern auch zahlreiche weitere Online-Dienste.
Aufgrund des großen Erfolgs von StudiVZ entschloss man sich dazu, eine Community speziell für Schüler anzubieten.
Eine ausgefallene Werbekampagne begleitete die Markteinführung von SchülerVZ im Frühjahr 2007. Zahlreiche, teilweise auch heftig umstrittene Aktionen im Stile des „Guerilla Marketing“ sollten die Schüler auf das neue Angebot aufmerksam machen. Auch wenn Aktionen wie das Besprühen von Schulhöfen mit SchülerVZ Logos und das massenhafte Verkleben von rosa Post-Its auf dem Schulgelände dem Anbieter teilweise Anzeigen und harsche Kritik einbrachten, so ließen sich durch diese Aktionen doch einige Schüler für die Community begeistern und die Aufmerksamkeit war den Machern auf jeden Fall sicher. Die Schüler wurden aufgefordert, auf den Post-its all das zu notieren, was sie nervt im Schulalltag, "SchülerVZ" wurde bewusst als Plattform eingeführt, auf der Schüler unter sich über all das diskutieren können, was sie bewegt. Eltern und Lehrer müssen draußen bleiben, das ist der Wahlspruch mit dem das Angebot eine besondere Schülertreue beweisen will.

Linktipps zum Thema:

Startseite des "SchuelerVZ"
http://www.schuelervz.net

Entwicklung des SchuelerVZ/StudiVZ (in: Wikipedia)
http://de.wikipedia.org/wiki/SchuelerVZ

Webseite der Verlagsgruppe Holtzbrinck
http://www.holtzbrinck.com/

Guerilla-Marketing-Aktion, SchülerVZ (ichmirmich.de, WebBlog, 23.04.2007)
http://ichmirmich.de/blog/2007/04/23/schueler-vz-guerilla/

Nacht- und Nebelaktion färbt Deutschland pink (na-Presseportal, 23.04.2007)
http://www.presseportal.de/story.htx?nr=974188