Datenschutz im SchülerVZ
Profile im SchülerVZ
Datenschutz im Internet ist ein heikles Thema. Insbesondere beim Social Networking gehört die Angabe persönlicher Daten dazu. Es lauern zahlreiche Gefahren, derer man sich bewusst sein sollte, bevor man sich entscheidet, Mitglied einer solchen Community zu werden.
Die Daten, die der Anbieter erhebt, werden z.B. beim „SchülerVZ“ nur teilweise auf einem sicheren Server, d.h. verschlüsselt, gespeichert. Die Fotos, die man hochlädt, werden unverschlüsselt abgelegt und können so leichter Hackerangriffen zum Opfer fallen.
Doch nicht immer bedarf es einer illegalen Aktion, um mit den persönlichen Angaben aus Profilen Schaden anzurichten. Schon die Daten aus einem öffentlichen Profil verraten einiges über den Nutzer. Nicht nur die besuchte Schule, das Geburtsdatum und den „echten“ Namen, sondern auch Vorlieben und Interessen, Einstellungen zu verschiedenen Themen, insbesondere Arbeit und Schule, Dinge die man mag und die man nicht mag und natürlich persönliche Fotos, die oft sehr privaten Inhalt haben.
Viele Nutzer machen hier sehr sorglos Angaben, die durchaus problematisch sein können, z.B. wenn sich der zukünftige Personalchef mal das „SchülerVZ“ Profil anschaut und feststellt, dass sich der Bewerber um einen Ausbildungsplatz selbst als „faule Sau“ beschreibt, Schule für Zeitverschwendung hält und am liebsten am Wochenende mit Freunden exzessiv feiert – und vielleicht auch noch die Fotos der letzten Party online stellt.
Wer sich dafür entscheidet, ein Profil von sich selbst öffentlich zu stellen, sollte darauf achten, nur Angaben zu machen, die man auch gegenüber einem völlig Fremden bedenkenlos machen würde. Auch die Fotos, die man online stellt, sollte man mit Bedacht auswählen und immer bedenken, dass jeder Fremde sie auf seinem Rechner speichern und eventuell auch für eigene Zwecke missbrauchen kann. Gegen diese Möglichkeit gibt es keinen Schutz, es sei denn, man verzichtet komplett darauf, Bilder von sich zu veröffentlichen.
Werbung im SchülerVZ
Wer sich auf Social Networking Plattformen anmeldet, gibt eine Menge persönlicher Daten preis, die nicht nur von anderen Nutzern, sondern auch vom Anbieter selbst verwertet werden können. Auf seinen Servern lagert eine wahre Fundgrube an verwertbaren Informationen über Millionen von Nutzern. So entstehen äußerst wertvolle Datenbanken.
Die Profile lassen sich real existierenden Personen zuordnen, mit realen Interessen – ein lukrativer Markt wartet: die personalisierte Werbung.
Nutzerprofile, wie sie bei Social Networking Diensten angelegt werden, stehen bei den Werbetreibenden hoch im Kurs. Gezielt können verschiedene Gruppen beworben werden, z.B. Gymnasiasten, Computerspieler, Rockmusikfans, Mitglieder aus einer bestimmten Region, alle Jugendlichen unter 16, usw.
Oftmals ist die Werbung im „SchülerVZ“ schwer vom tatsächlichen Seiteninhalt zu trennen.
Insbesondere Kinder und jüngere Jugendliche tun sich schwer damit, Werbung als solche zu erkennen und gegebenenfalls zu ignorieren. Damit werden sie zu einer Zielgruppe, die besonders leicht im Sinne des Werbenden zu beeinflussen ist - ein Umstand, dessen man sich bei "GWP Media Marketing" (zuständig für die Vermarktung von "SchülerVZ") durchaus bewußt ist.
(aus: GWP Media-Marketing, SchülerVZ Basispräsentation)
Ein weiteres Angebot, das „SchülerVZ“ seinen Werbekunden macht, ist die Erstellung einer eigenen Gruppe (die sogenannte „Edel-Gruppe“). Diese kann gezielt für Werbung (z.B. für eine Rockband) genutzt werden. Die Mitglieder des „SchülerVZ“ bekommen dann eine Einladung in die Gruppe, die ihnen auf ihrer persönlichen Profilseite angezeigt wird.
(aus: GWP Media-Marketing, SchülerVZ Basispräsentation)
Nicht immer ist es für die Nutzer hierbei offensichtlich, dass es sich um Werbung handelt, soll doch das „SchülerVZ“ ein Ort nur für „Schüler“ sein. Scheinbar nimmt der Anbieter sein Versprechen, dass Erwachsene keinen Zugang zum „SchülerVZ“ haben, hier nicht so genau.
Bisher versichert der Betreiber, dass im „SchülerVZ“ nicht personenbezogen geworben wird. Im „StudiVZ“, dem großen Bruder des „SchülerVZ“, ist dies längst der Fall. Eine entsprechende Änderung der AGB führte 2007 zu Protesten der Mitglieder und einigen Abmeldungen. Der Großteil der Nutzer jedoch akzeptierte die Änderungen, um den eigenen Account nicht kündigen zu müssen. „StudiVZ“ selbst stellt die Einführung von personalisierter Werbung als für beide Seiten lohnend dar. Schließlich erhalten die Nutzer jetzt statt für sie völlig uninteressante Werbeangebote nur noch solche, die ihren Interessen entsprechen. Dabei wird verschwiegen, dass diese Art der Werbung wohl zuerst dem Anbieter und den Werbenden finanzielle Vorteile bringt.
Natürlich kostet der Betrieb und der Unterhalt eines Social Networking Angebotes in der Größenordnung des „SchülerVZ“ Geld. Da die Nutzung des Dienstes kostenlos ist, um möglichst viele Mitglieder zu locken, muss sich der Anbieter über einen anderen Weg finanzieren. Die Werbung.
Dennoch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass niemand ein Internetangebot dieser Größenordnung aus rein idealistischen Gründen betreibt. Früher oder später soll das Angebot sich nicht nur selbst tragen, sondern auch Gewinn erzielen. Wer Seitenzugriffe in Millionenhöhe wie das „SchülerVZ“ vorweisen kann, ist attraktiv für Werbetreibende und wird dies früher oder später auch gewinnbringend nutzen.
Denkbar wäre neben der Erfassung und Verwertung personenbezogener Daten zukünftig sogar eine Auswertung der „Bewegungen“ eines Nutzers auf der Plattform. Wer den Dienst nutzen möchte und sei es nur, um sich umzusehen, der muss sich einloggen und ermöglicht es so, dass seine Suchanfragen und Klicks innerhalb des Angebotes zugeordnet und eventuell nutzerbezogen ausgewertet werden können.
Linktipps zum Thema:
Nach StudiVZ kommt SchülerVZ - Gruscheln statt Datenschutz? (e-recht24.de, 22.02.2007)
http://www.e-recht24.de/news/datenschutz/420.html
SchülerVZ Profile: Die ganze Welt liest mit (Spiegel Online, 29.01.2008)
http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,531569,00.html
StudiVZ Boss Riecke: „Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen jetzt Daten herausgeben“ (Spiegel Online, 27.02.2008)
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,537622,00.html
Wie funktioniert personalisierte Werbung auf StudiVZ (studivz.net)?
http://www.studivz.net/l/wozu_das_ganze
Werbung im SchülerVZ (Marketing-Präsentation von GWP)
http://www.gwp.de/data/download/A4/schuelerVZ_Basispraesentation.pdf

