Modellprojekt Mediensuchtprävention

"Be your Gamemaster"

Laut einer aktuellen Studie der Universität Koblenz-Landau ist jeder neunte Jugendliche mediensüchtig. In der Öffentlichkeit wird viel debattiert über jugendliche Computerspieler und ihr Spielverhalten.
Um es nicht bei einer theoretischen Debatte zu belassen, startet unter dem Motto "Be your Gamemaster" in Neu-Isenburg jetzt ein Modellprojekt zur Mediensuchtprävention.

Vertreter des Infoc@fés (welches von Herrn Hunkel maßgeblich unterstützt wurde) und Frau Meisner-Kurt vom staatlichen Schulamt, setzten sich bereits vor einem Jahr zusammen, um einen angemessen Umgang mit dieser Problematik zu erreichen.

Aus diesen Gesprächen entstand die Idee, eine Anlaufstelle für Jugendliche, Eltern und Lehrer zu schaffen. Diese sollte nicht nur individuelle Arbeit mit bereits betroffenen Jugendlichen leisten, sondern in erster Linie junge Vielspieler zu einem kontrollierten, reflektierten und vernünftigen Mediennutzungsverhalten anregen.

Durchgeführt wird das Projekt von Andreas Johann (seit August 2008 Musiklehrer an der Brüder-Grimm-Schule) und Angelika Beranek vom Infoc@fé. Teilnehmen werden viele Neu-Isenburger Schulen.

In der Grundschule soll mit suchtpräventiven Maßnahmen das Nutzungsverhalten der Kinder beeinflusst werden, bevor diese einen festgefahrenen Umgang mit dem neuen Medium verinnerlicht haben. An den weiterführenden Schulen wird mit AGs und Einzelfallberatung gearbeitet. Begleitet werden diese Aktionen außerdem von Lehrerfortbildungen und Elterninformationsabenden zum Thema.

Mit einer schriftlichen Befragung von Klassenlehrern an Grund- und weiterführenden Schulen zum Mediennutzungsverhalten ihrer Schüler wurde vor den Herbstferien 2008 die Situation in Neu-Isenburg evaluiert.
Es stellte sich heraus, dass problematisches Mediennutzungsverhalten ab der 6. Jahrgangsstufe zu beobachten ist und pro Klasse ca. 2-3 SchülerInnen betroffen sind. Dieses Problem zieht sich bis in die obersten Klassen. In den Grundschulen beginnen die Kinder ab der 3. Klasse Computer zu spielen, Probleme sehen LehrerInnen dabei jedoch selten.

Im Herbst 2008 begann die praktische Arbeit der Mediensuchtprävention mit folgenden Angeboten:

Für die Schüler/innen der Brüder-Grimm-Schule wird eine "World of Warcraft AG" angeboten, die sich mit allen Aspekten des Spiels auseinandersetzt. Die Faszination des Onlinerollenspiels soll von verschiedenen Seiten aus betrachtet und hinterfragt werden (Wie "funktioniert" eine Gilde in WoW? Welche Spielmechanismen gibt es?). Die Schüler/innen werden sich außerdem aktiv mit der Wirkung von Grafik und Sound auseinandersetzen und z.B. dem Spiel einen neuen Soundtrack geben.

An der Goetheschule gibt es eine AG zum Thema "Spieletest", die sich nicht nur mit der Bewertung von Spielen beschäftigt, sondern auch deren Suchtaspekt erforscht. In Zusammenarbeit mit "Spielbar.de" werden aktuelle Spiele im Infoc@fé getestet und anschließend eine Bewertung auf der Spielbar-Webseite veröffentlicht.

Ergänzt werden die AG Angebote durch Elternabende und Lehrerfortbildungen sowie Einzelfallarbeit mit bereits betroffenen Spielern und Angehörigen.

Für die Arbeit an den Grundschulen ist die Entwicklung eines kindgerechten Rollenspiels zum Erlernen von Selbstkontrolle geplant. Je nach Spiel- und Internet-Nutzungsverhalten soll eine erfundene Spielfigur belohnt oder bestraft werden. Diese wird im Laufe der Zeit, ähnlich wie bei einem Computerspiel, neue Fähigkeiten erwerben und Level aufsteigen können. Die Kinder sollen hier zwischen unterschiedlichen „Onlinebegleitern“ in Form von Avataren wählen können.
Dieser Avatar kann und soll zum einen in einer Computer-AG zum Einsatz kommen und von den Kindern und Lehrern auch in anderen Unterrichtseinheiten, die mit Medien zusammenhängen, genutzt werden.
Hier soll eine Stärkung der Selbsteinschätzung und des Selbstbewusstseins erreicht werden. Des Weiteren werden Lehrerinformationsveranstaltungen zum Thema Mediennutzung durchgeführt.

 

Ansprechpartner:

Angelika Beranek und Andreas Johann

telefonisch unter 06102/209929 oder per Mail an "mediensucht@infocafe.org"

 

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